– Der A&M Wettbewerbsindex erreicht 2026 mit 3 Punkten einen neuen Tiefstand. Die Industrie handelt.
– 65 Prozent der Unternehmen verstärken ihre Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.
– Kosten, Geschwindigkeit und KI entwickeln sich zu den zentralen Hebeln für die nächste Transformationsphase.
München, 30.09.2026 – Die deutsche Industrie arbeitet zunehmend an ihrer Reaktion auf ein dauerhaft verändertes Wettbewerbsumfeld. Der aktuelle A&M Wettbewerbsindex Deutschland des weltweit tätigen Beratungsunternehmens Alvarez & Marsal (A&M) in Zusammenarbeit mit der Deutsche Gesellschaft für Managementforschung (DGMF) fällt im dritten Jahr der Erhebung auf 3 Punkte. 2024 hatte der Index noch bei 21 Punkten gelegen, 2025 bei 11 Punkten. Eine Erholung zeigt sich bislang in keiner der untersuchten Branchen.
Nur noch 35 Prozent der Unternehmen bewerten ihre eigene aktuelle Wettbewerbsposition als hoch oder sehr hoch. Gleichzeitig beurteilen 51 Prozent den Industriestandort Deutschland kritisch. Hohe Energie- und Lohnkosten, Regulierung, globaler Wettbewerbsdruck sowie veränderte Wertschöpfungsstrukturen stellen etablierte Geschäftsmodelle und Standortentscheidungen immer stärker auf den Prüfstand.
Auf der positiven Seite zeigt der Wettbewerbsindex jedoch auch hohe Bereitschaft zur Veränderung: 65 Prozent der Unternehmen verstärken ihre Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Die deutsche Industrie hat die Dringlichkeit klar erkannt. Sie fokussiert ihre Agenden als Reaktion zunehmend auf Faktoren wie Kosten, Geschwindigkeit, Produktionsnetzwerke und künstliche Intelligenz.
„Wir sehen eine strukturelle Verschiebung der Wettbewerbsposition. Positiv ist, dass die Unternehmen die entscheidenden Themen erkannt haben und handeln. Jetzt kommt es darauf an, Prioritäten konsequent zu setzen und Maßnahmen schnell in messbare Ergebnisse zu übersetzen“, kommentiert Patrick Siebert, Managing Director und Co-Head Deutschland bei A&M.
Automotive setzt auf Tempo
Die Automobilindustrie liegt in Wettbewerbsindex 2026 mit 5 Punkten leicht über dem Industriedurchschnitt, bleibt aber deutlich unter den 18 Punkten der Studie von 2024. 91 Prozent der befragten Unternehmen messen Kostenoptimierung und Geschwindigkeit eine hohe oder sehr hohe Bedeutung bei. Entscheidend wird sein, industrielle Stärke, Softwarekompetenz und internationale Wertschöpfungsnetzwerke schneller miteinander zu verbinden.
Maschinenbau setzt auf Skalierbarkeit
Der Maschinen- und Anlagenbau verliert im Drei-Jahres-Vergleich besonders stark an Wettbewerbsfähigkeit. Technologische Stärke und Engineering-Kompetenz allein reichen zunehmend nicht mehr aus. Es gilt, diese Stärken in skalierbare Strukturen, modulare Plattformen, kürzere Durchlaufzeiten und ein profitables Service- und Aftermarket-Geschäft zu übersetzen. Auch eine digitale Steuerung der Lieferketten gewinnt weiter an Bedeutung.
Konsumgüter bleiben vorne
Mit 8 Punkten erreicht die Konsumgüterindustrie den höchsten Indexwert aller untersuchten Branchen. 89 Prozent der befragten Unternehmen messen dem Faktor Kosten hohe oder sehr hohe Bedeutung bei, 82 Prozent dem Faktor Geschwindigkeit. Besonders großes ungenutztes Potenzial liegt beim Einsatz von KI. Zwar bewerten 74 Prozent KI als wichtigen Wettbewerbsfaktor, doch besonders wirksame Anwendungen wie die KI-gestützte Nachfrage- und Bestandsprognose sind bislang erst bei 47 Prozent umgesetzt.
Chemie richtet sich neu aus
Im Cluster Chemie und Pharma halbiert sich der Index 2026 auf -4 Punkte gegenüber der 8 Punkte im Vorjahr. Vor allem Chemie steht durch Energie- und Rohstoffkosten, Regulierung und internationale Kapazitätsverschiebungen unter hohem Druck. Neue Wettbewerbsfähigkeit entsteht hier nach Einschätzung von A&M vor allem durch die Verbindung von Kostenmanagement, internationalem Footprint, Portfoliofokus und datenbasierter Steuerung.
Pharma baut auf Innovation
Pharma verfügt durch Forschungskompetenz, Spezialisierung und Margenstärke weiterhin über starke Voraussetzungen. Gleichzeitig verlagern 47 Prozent der Unternehmen Forschung und Entwicklung bereits ganz oder teilweise ins Ausland. Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit können in diesem Sektor vor allem KI, spezialisierte Produkte und wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle beitragen.
KI wird zum Wettbewerbshebel
Branchenübergreifend bewerten 79 Prozent der Unternehmen KI als wichtig für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist dabei weniger die Zahl einzelner Pilotprojekte als vielmehr die Integration in operative Prozesse. Dies umfasst ein breites Feld von Prognosen und Bestandssteuerung bis hin zu Produktion, Forschung und Entwicklung und Instandhaltung.
Der Drei-Jahres-Vergleich des A&M Wettbewerbsindex zeigt, dass sich die Managementagenden deutlich verschoben haben. Kosten, Geschwindigkeit, Footprint und KI stehen heute im Zentrum. 2026 kommt es darauf an, diese Prioritäten wirksam in konkrete Veränderungen zu übersetzen.
„Eine Kombination aus unternehmerischem Geschick sowie einer politischen Zeitenwende ist jetzt notwendig. Unternehmen haben den Ernst der Lage erkannt und tun das in ihrer Möglichkeit stehende mit Hochdruck. Nun muss auch die Politik liefern und die Rahmenbedingungen des Standorts Deutschland nachhaltig verbessern: verlässliche und wettbewerbsfähige Energie, weniger Regulierung und mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt“, bewertet Patrick Siebert, die Ergebnisse des aktuellen Wettbewerbsindex abschließend.
Den vollständigen A&M Wettbewerbsindex erhalten Sie hier.
Methodik
Der Wettbewerbsindex der deutschen Industrie wird seit drei Jahren von Alvarez & Marsal (A&M) und der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung (DGMF) erhoben. Grundlage der Studie 2026 sind persönliche Interviews mit 246 Entscheidern aus der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Chemie- und Pharmaindustrie sowie der Konsumgüterindustrie. Ergänzend wurden teilweise vertiefende Interviews geführt. Aus den Ergebnissen wird ein Indexwert auf einer Skala von −100 bis +100 berechnet, der die Einschätzung der jeweiligen Wettbewerbsposition abbildet.
Über Alvarez & Marsal
Alvarez & Marsal wurde 1983 gegründet und ist ein weltweit führendes Unternehmen für professionelle Dienstleistungen. Das Unternehmen ist bekannt für seine Führungsqualität, sein engagiertes, ergebnisorientiertes Handeln – Leadership, Action, Results und bietet Beratungs-, Leistungsverbesserungs- und Turnaround-Management-Services an. Alvarez & Marsal liefert praktische Lösungen für die individuellen Herausforderungen seiner Kunden. Mit seinem weltweiten Netzwerk von erfahrenen Mitarbeitern, erstklassigen Beratern sowie Experten mit langjähriger Erfahrung in Aufsichtsbehörden und Industrieunternehmen unterstützt Alvarez & Marsal Unternehmen, Vorstände, Private-Equity-Unternehmen, Anwaltskanzleien und Regierungsbehörden dabei, ihre Transformation voranzutreiben, Risiken zu minimieren und in jeder Wachstumsphase Mehrwert zu schaffen.
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Alvarez & Marsal
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