Ein Beitrag von Malte Scholz, Head of Product und Mitgründer von airfocus by Lucid

Fehlendes Alignment mit internen Stakeholdern bremst Produktteams regelmäßig aus. Das belegt eine aktuelle Befragung von airfocus by Lucid unter 100 Product Leadern. Was steckt dahinter? Und wie gewinnen Teams ihr Momentum zurück?
Produktteams stehen unter ständigem Druck, konkurrierende Prioritäten unter einen Hut zu bringen. Kunden verlangen mehr Features, der Vertrieb drängt auf neue Funktionen und die KI-Roadmap soll endlich Fahrt aufnehmen. Diese konkurrierenden Interessen sind für Produktteams ein vertrautes Problem, wie die Umfrage zeigt: Vier von zehn Befragten (40 %) sagen, dass Meinungsverschiedenheiten zwischen Stakeholdern regelmäßig den Produktfortschritt behindern.
Fehlende Abstimmung kann den Produkterfolg untergraben: 42 Prozent nennen mangelndes Alignment als ihre größte Herausforderung, noch vor technischen Schulden und Release-Geschwindigkeit. Gleichzeitig verbringen 40 Prozent der Product Leader vier bis zehn Stunden pro Woche damit, verschiedene Stakeholder und Erwartungen zu managen. Nur jeder Zweite (52 %) fühlt sich dabei sicher und gut vorbereitet. Dies spiegelt häufig unklare Erwartungen und ein fehlendes gemeinsames Verständnis von Strategie, Prioritäten und Erfolg wider.
Wie fehlende Abstimmung den Fortschritt behindert
Diese Erkenntnisse verdeutlichen ein strukturelles Problem, das viele Teams unterschätzen. Mangelndes Alignment entsteht nicht willentlich, sondern durch Systeme, die Output über gemeinsames Verständnis stellen. Product Leader sollen eine strategische Richtung vorgeben, Stakeholder einbinden, Konflikte moderieren und Ergebnisse liefern – oft ohne die dafür nötigen Strukturen, Werkzeuge oder Schulungen.
Am deutlichsten zeigt sich dies auf Führungsebene. Rund die Hälfte der Befragten (52 %) identifiziert Führungskräfte und die C-Suite als die am schwierigsten zu beeinflussende Stakeholder-Gruppe. Das verdeutlicht, wie schnell sich Prioritäten auf Seniorebene durch Markt- und Geschäftsdruck verschieben und zu Unklarheiten in der Umsetzung führen können.
Da KI den Wandel beschleunigt, werden solche Verschiebungen häufiger. Neue Marktsignale, regulatorische Veränderungen oder Investoren-Input können rasche Kurswechsel erfordern. Ob Fortschritt gelingt, hängt weniger von der neuen Richtung ab. Entscheidend ist, dass Teams gemeinsamen Kontext und Überzeugung aufrechterhalten, während sich die Prioritäten verschieben.
Tipps für erfolgreiches Stakeholder-Management
Product Leader und Product Manager bilden gemeinsam die Ebene, auf der übergeordnete Strategie in konkrete Arbeit übergeht. Product Leader bündeln und gewichten die Interessen verschiedener Stakeholder, bevor diese die Delivery-Teams erreichen. Product Manager übersetzen diese Richtung in konkrete Umsetzung, indem sie Umfang, Reihenfolge, Abhängigkeiten und Erfolgskriterien definieren und Engpässe identifizieren.
Praktische Tipps für die Umsetzung:
Eine visuelle, KI-gestützte Stakeholder-Map aufbauen: Eine Stakeholder-Map macht sichtbar, wer beteiligt ist, welche Rollen die Beteiligten haben und wie ihre Prioritäten mit den Unternehmenszielen zusammenhängen. Sie schafft ein gemeinsames Bild von Einfluss, Abhängigkeiten und Entscheidungsverantwortung.
KI kann diesen Prozess sinnvoll ergänzen: Sie bündelt Stakeholder-Input, macht widersprüchliche Prioritäten sichtbar, pflegt ein strukturiertes Entscheidungsregister und weist auf fehlenden Kontext hin – damit Alignment nicht bei jeder Veränderung mühsam neu aufgebaut werden muss. Das menschliche Urteilsvermögen beim Abwägen von Prioritäten und beim Festlegen von Richtungen ersetzt sie nicht.
Stakeholder-Management als Kernaufgabe verstehen: Zeit, die für das Management von Stakeholdern aufgewendet wird, gilt oft als Zusatzaufwand – dabei ist sie grundlegend für die Umsetzungsgeschwindigkeit. Strategisch angegangen, wird Stakeholder-Management zum Bindeglied zwischen Produktentscheidungen und Unternehmenszielen. Fehlt diese Verbindung, verlieren Teams Zeit durch Abstimmungsschleifen, Nacharbeiten und Prioritätenwechsel. Ist sie stabil, wird Strategie direkt zur Umsetzung – mit weniger Reibung.
Abstimmung auf individueller Ebene aufbauen: Große Meetings können effektiv sein, um eine gemeinsame Richtung zu etablieren – doch in Einzelgesprächen lässt sich das Alignment am besten vertiefen und verfeinern. Dort können Product Leader direkt mit wichtigen Entscheidungsträgern sprechen, Prioritäten klären und Nuancen ansprechen, die in größeren Gruppen untergehen. Einzelgespräche erlauben es zudem, den Ton und die Schwerpunkte je nach Stakeholder anzupassen – abhängig davon, wie jemand Risiken, Timing und Auswirkungen bewertet. Das stärkt das gegenseitige Verständnis und macht das Alignment tragfähiger.
Vertrauen aufbauen und Abstimmung fördern
Effektives Stakeholder-Management ist nicht reaktiv. Es erfordert bewusste Struktur, konsistente Kommunikation und die kontinuierliche Stärkung von gemeinsamem Kontext. Mangelndes Alignment bleibt eine der Hauptursachen für stagnierende Roadmaps. Doch es ist kein Kommunikationsproblem, das sich mit mehr Meetings lösen lässt. Wer Stakeholder-Management als wichtige Investition betrachtet, legt den Grundstein dafür, dass strategische Entscheidungen auch in der Umsetzung ankommen.
Über den Autor:
Malte Scholz ist Co-Founder und Head of Product von airfocus by Lucid, der weltweit flexibelsten Plattform für Produktmanagement. Seine Reise begann als Produktmanager auf der Suche nach einem besseren Tool. Heute unterstützt airfocus mehr als 800 Unternehmen weltweit dabei, die richtigen Produkte zu entwickeln und einen höheren Mehrwert zu erzielen.

