TENTE-Experte Alexander Bunke erklärt, warum ausgerechnet die Bewegungen zwischen einzelnen Prozessschritten bei der Prozessoptimierung häufig unberücksichtigt bleiben.

Remscheid, 21. September 2026. Sensorik, MES-Systeme und digitale Zwillinge liefern in modernen Produktionsumgebungen präzise Daten zu nahezu jedem Arbeitsschritt. Taktzeiten werden gemessen, Maschinenzustände in Echtzeit überwacht und Abweichungen unmittelbar erkannt. Was zwischen den digital erfassten Stationen geschieht, gerät dagegen häufig aus dem Blick. Das zeigt sich nach Einschätzung von Alexander Bunke, Experte für Industrie und Logistik beim Mobilitätsspezialisten TENTE, insbesondere bei den Bewegungen und Transportwegen im Produktionsalltag.
Was sich messen lässt, wird optimiert
Prozessoptimierung setzt meist dort an, wo Abläufe klar definiert und wiederkehrend sind: an Maschinen, Arbeitsstationen und fest programmierten Zyklen. Die Übergänge zwischen diesen Prozessschritten bleiben dagegen häufig unberücksichtigt.
„Wenn an einzelnen Stationen jede Sekunde erfasst und ausgewertet wird, der Weg dazwischen aber kaum systematisch betrachtet wird, bleibt ein erheblicher Teil der tatsächlichen Prozesszeit im Unklaren“, sagt Bunke.
Wie groß dieser Anteil sein kann, zeigt eine Kennzahl der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV): Bis zu 50 Prozent der gesamten Herstellungszeit eines Produkts entfallen auf innerbetriebliche Transporte. Viele Produkte sind demnach bis zu ihrer Fertigstellung nahezu ununterbrochen unterwegs – von einer Station zur nächsten.
Der Mensch in Bewegung als schwer erfassbare Variable

Anders als ein Maschinenzyklus lässt sich eine Transportbewegung nur schwer standardisieren. Wer einen Kommissionierwagen durch eine Halle schiebt, reagiert auf wechselnde Bodenbeläge, Kurven, andere Mitarbeitende und unterschiedliche Beladungen. Jede Fahrt verläuft ein Stück weit anders als die vorherige. Genau das erschwert die Erfassung in klassischen Kennzahlensystemen.
„Diese Variabilität ist genau der Grund, warum sich Bewegungsabläufe der digitalen Erfassung entziehen, die bei Maschinen so gut funktioniert“, erklärt Bunke. „Verbessern lassen sie sich trotzdem – nur an anderer Stelle.“
Wenn Optimierung an der Schnittstelle endet
Das Ergebnis dieser Schieflage: Einzelne Prozessschritte laufen im Idealzustand, während der Gesamtprozess durch ungesteuerte Übergänge dennoch ins Stocken geraten kann. Ein optimierter Arbeitsplatz nützt wenig, wenn der Weg dorthin unnötig lang, beschwerlich oder kräftezehrend ist und dadurch Zeit kostet, die an keiner Stelle im System sichtbar wird.
„Prozessoptimierung darf nicht an der Stationsgrenze enden“, sagt Bunke. „Wer Produktivität ganzheitlich denkt, muss auch das mitdenken, was sich nicht ohne Weiteres in einer Kennzahl abbilden lässt. Denn erst die Bewegungen der Menschen verbinden die Stationen miteinander. Genau dort setzen wir mit unseren Mobilitätslösungen an.“
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